Die Johanneskirche in Rudersberg

Ortsmittelpunkt der Gemeinde Rudersberg

Schon 1245 kennt man eine "Kapelle zum Täufer Johannes", die vor allem als Taufkapelle genutzt wird. Die alte Vorgängerkirche aus dem 15. Jahrhundert konnte dann die Gläubigen aus den Weilern und Höfen nicht mehr fassen, und so wurde im Jahre 1782 die Johanneskirche errichtet.

Johann Adam Groß, der 1781 die Stadtkirche Ludwigsburg umgebaut hatte, wurde mit dem Neubau beauftragt. Im Jahre 1957 fand eine grundlegende Erneuerung statt, bei der die Orgel vom Osten in den Westen und der Altar aus der Mitte in den Chorraum versetzt wurde, gleichzeitig wurden künstlerisch gestaltete Fenster eingebaut und der Chorraum erneuert. Die Einweihung war am 9. März 1958. Zum 200-jährigen Jubiläum im Jahre 1982 wurde die Kirche, die nun in warmen Farben gehalten ist, noch einmal erneuert. Im Jahre 1986 wurde das Fachwerk des Turmes freigelegt. Die Orgel stammt aus dem Jahr 1907. Im Jahre 2007 feiert die Kirchengemeinde den 225. Geburtstag ihrer Johanneskirche und den 100. Geburtstag ihrer Orgel.
Maße: Die Kirche ist 30 m lang und 15,5 m breit. Sie hat eine Innenhöhe von etwa 12 m. Der Turm ist 35 m hoch. Sie hat ca. 600 Sitzplätze.

Die Bildfenster der Johanneskirche

Sie wurden nach einem Entwurf von Kunsterzieher und Studienrat Werner Oberle aus Schorndorf gestaltet. Sie zeigen von links nach rechts: Johannesfenster, Christusfenster und Passionsfenster.

 

Das Johannesfenster
Es ist dem Täufer Johannes, auf den der Name der Kirche zurückgeht, gewidmet. Johannes, der Wegbereiter Jesu, weist mit der linken Hand auf die Mitte, Christus und mit dem Kreuzstab in seiner Rechten auf das Kreuz Christi, und erinnert somit an das Zitat aus dem Johannesevangelium: "Siehe, das ist Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt". (Joh1, 29).
Das untere Motiv weist auf Matthäus 3, 10 hin: "Es ist die Axt den Bäumen an die Wurzel gelegt. Der Baum, der nicht gute Frucht bringt, wird abgehauen und ins Feuer geworfen. Er hat seine Wurfschaufel in der Hand, er wird seine Tenne fegen und den Weizen in seine Scheune sammeln; aber die Spreu wird er verbrennen mit unauslöschlichem Feuer." Das obere Motiv weist auf die Bußpredigt des Täufers: "Wer zwei Röcke hat, der gebe dem, der keinen hat; und wer Speise hat, tue auch also." (Lk.3,10.11)
Im unteren Teil des Fensters sieht man Johannes, den fragenden und angefochtenen Zweifler. Seine Botschaft hat ihn ins Gefängnis gebracht. Die Mächtigen dieser Erde wollen sich von ihm nicht zurechtweisen lassen. Johannes lässt bei Jesus fragen: "Bist du es, der da kommen soll, oder sollen wir auf einen anderen warten?" Die Besucher bringen Jesu Antwort: "Blinde sehen Lahme gehen, Aussätzige werden rein und Taube hören, Tote stehen auf und Armen wird das Evangelium gepredigt." (Mt.11, 1-6). Oben weist ein Engel auf die Bilder dieses Fensters.

 

Das Christus-Fenster
Hier ist Christus als Herrscher, der in göttlicher Herrlichkeit über der Welt thront, dargestellt. Seine Rechte ist erhoben, seine Linke weist auf das vor ihm geöffnete Buch. Christus ist das A und das O, der Erste und der Letzte. Zu seinen Füßen sieht man sechs der 12 Tore des himmlischen Jerusalems, das Lamm, dessen Blut in einen Kelch fließt. Der Hinweis auf das Abendmahl. Christus, als Opferlamm trägt die Sünde der Welt und stirbt. Im Buch der Offenbarung ist es gerade dieses Lamm, das das Buch mit den sieben Siegeln zu öffnen vermag. Um das Lamm befinden sich die vier Evangelistensymbole: das Menschengesicht symbolisiert den Evangelisten Matthäus, der Löwe steht für den Evangelisten Markus, der Stier steht für den Evangelisten Lukas und der Adler steht für den Evangelisten Johannes. Oben sehen wir einen Engel mit Posaune und denken an Offenbarung 14,6.

 

Das Passionsfenster
Oben breitet ein Engel wie schützend seine Arme aus über ein schmerzhaftes Geschehen. Der Schmerzensmann, gebunden an Händen, gekrönt mit der Dornenkrone, nur mit einem Lendenschurz gekleidet, steht in der Mitte des Passionsfensters. Hier ist dargestellt, worauf Johannes hinwies, und das Lamm aussagen möchte: gestorben am Kreuz für die Sünde der Welt. Dies ist in der Kreuzigungsszene im unteren Teil des Bildes dargestellt. Mit ausgebreiteten Armen stützt sich Jesus auf seine Mutter und Johannes. Der leidende Christus ist Inhalt der evangelischen Predigt, die als "Frohe Botschaft" das "Wort vom Kreuz" verkündigen soll. In den Quadraten ist das Gleichnis vom vierfachen Ackerfeld dargestellt. Im oberen Kreis sieht man, wie Jesus Menschen in seine Nachfolge ruft, aber alle Angesprochenen haben Vorbehalte. Dieses Bild weist darauf hin, wie wichtig es ist, der Einladung Jesu zu folgen. Nicht zufällig ist der Taufstein diesem (Passions-) Fenster zugeordnet: heißt es doch, dass wir in der Taufe dem Bösen sterben und mit Christus zu einem neuen Leben auferstehen. Auch ruft die Taufe in die Nachfolge Christi.

 

Die Südfenster
Als einzige Fenster waren sie nicht von Emporen verbaut und wurden 1930 unter Pfarrer Ettwein nach Entwürfen von Walter Kohler verglast. Sie zeigen (von links nach rechts) die Taufe Jesu durch Johannes, den Täufer; die Segnung der Kinder durch Jesus und das Gleichnis vom verlorenen Sohn.

 

 

Das Altarkreuz der Johanneskirche

Altarkreuz in der Johanneskirche vom Bildhauer Karl- Ulrich Nuß

Das Kreuz wurde 1980 von in den USA lebenden Brüdern, deren Großvater von 1854 bis 1865 Pfarrer in Rudersberg war, der Kirchengemeinde gestiftet. Es wurde vom Bildhauer Karl- Ulrich Nuß aus Strümpfelbach geschaffen. Es Kreuz ist bewachsen und umschlungen von einem Weinstock, der auf drei kräftigen Wurzeln fußt und dessen Früchte vom Kreuz herabhängen. Eindrucksvoll wird dargestellt, dass Jesus, der Weinstock (Johannes 15) eins geworden ist mit dem Kreuz. Und daraus erwächst uns Frucht. Frucht, dass wir frei werden dürfen von schuldhafter Vergangenheit, frei von Zwängen und Bindungen, die uns knechten. Diese Frucht wird im Abendmahl, sichtbar in Brot und Wein, am Altar ausgeteilt.

 

 

Die Glocken

Seit 1495 läutet die große Marien-Glocke, die 930 kg wiegt und auf "fis" gestimmt ist. Mit ihrer Inschrift gibt sie genaue Hinweise:
"Ossanna heiß ich
zu unseren Frauen Ehr läut ich
Bernhard Lachenmann goß mich – 1495."
Ihrem Alter verdankt sie es, dass sie 1942 nicht mit den anderen zwei Glocken abgeliefert wurde, um zu todbringenden Kugeln verarbeitet zu werden. Am 12.11.1950 konnten bei festlicher Glockenweihe wieder zwei neue Glocken ihren Dienst aufnehmen: eine zweite Glocke, die 484 kg wiegt und auf "a" gestimmt ist und die dritte Glocke, die 331 kg wiegt und die Inschrift trägt: "Wachet und betet".

 

 

Die Johannesfigur

Holzfigur Johannes der Täufer

Bis 1957 krönte der Täufer (18. Jhdt./ aus Lindenholz geschnitzte Figur) die Kanzel, und wies zum Fenster hinaus. Dann stand er etliche Jahre vergessen und verstaubt in einer Ecke des Turmes. Seit 1982 hat er den würdigen Platz auf der Konsole nahe der Kanzel und weist jetzt auf Kanzel und Altar. Johannes hält den Kreuzstab mit der ziegelroten Fahne. Zu seinen Füßen befindet sich das Lamm. Die ganze Figur hat einen kräftigen, bodenständigen Ausdruck.